Nur in Aachen gibt es ein Bauwerk, das so eng mit Kaiser Karl dem Großen verbunden ist: seine Pfalzkapelle, der Aachener Dom. Dieses Bauwerk ist eines der besterhaltenen Baudenkmäler der
Karolingerzeit; seine historische Bedeutung ist ebenso unbestritten wie seine wichtige Stellung in der europäischen Architekturgeschichte. Die Manifestation eines "Neuen Roms" - diesen Traum wollte
Karl der Große Wirklichkeit werden lassen, als er gegen Ende des 8. Jahrhunderts in Aachen den Königshof in eine Pfalz vom Range einer Reichsresidenz umwandelte. Wo heute das Rathaus steht, ließ er
seine Pfalz errichten. Für den christlichen König war es selbstverständlich, dass er neben seiner Residenz auch eine Kirche bauen ließ. Seine Zeitgenossen führten das "schöne und bewundernswerte Werk
der Kirche" unmittelbar auf den Einfluss Karls des Großen zurück. Dem Baumeister Odo von Metz gelang es, das religiöse und politische Gedankengut Karls des Großen in Anlehnung an west- und
oströmische Bautraditionen meisterhaft in ein einzigartiges Bauwerk umzusetzen. Die Aachener Marienkirche ist der früheste große kuppelüberwölbte Bau nördlich der Alpen und bleibt in diesem Teil
Europas für vier Jahrhunderte der höchste gewölbte Innenraum .
Nur wenige Baudaten der Pfalzkapelle sind bekannt. In den Jahren 786/87 ermächtigt Papst Hadrian Karl den Großen, Marmor aus Italien nach Aachen zu überführen. 798 werden die kostbaren antiken Säulen
in der Kirche aufgestellt. Die Überbringung von Reliquien 799/800 bekräftigt die Vollendung des Baues. Die Weihe durch Papst Leo III. im Jahre 805 ist freilich eine Legende. Der Bau Karls des Großen
ist der Kern des heutigen Aachener Domes. Erhalten sind der Westbau mit der ursprünglich offenen Eingangshalle, der Kaiserloge im Obergeschoss und den beiden Wendeltreppentürmen sowie der gewaltige
achteckige Kuppelbau mit seinem nach außen sechzehneckigen doppelgeschossigen Umgang. Neben der Verwendung antiker Kostbarkeiten, zu denen die Säulen und die römische Bärin in der Vorhalle gehören,
schufen karolingische Werkstätten auch eigene herausragende Kunstwerke, so die Bronzegitter der Empore und die Bronzetore der Haupt- und Nebeneingänge. Von dieser ersten Ausstattung haben sich bis
heute mehr als zwanzig antike Säulen, acht Bronzegitter und vier Bronzetore erhalten, darunter die große Portaltür (Wolfstür) im Westbau der Kirche.
Karl der Große war eine der herausragenden Gestalten der europäischen Geschichte. Seine Vision und sein Handeln als Reichsgründer wirken bis heute. Für die Einigung Europas im 20. Jahrhundert ist er
ein historisches Vorbild und Symbol. Er wurde am 28. Januar 814, am Tag seines Todes, in seiner Marienkirche bestattet. Damit wurde die Pfalzkapelle zur Begräbnisstätte des großen Kaisers. Die
Beisetzung erfolgte in einem antiken Sarkophag, der sich noch heute in der Domschatzkammer befindet. Kaiser Friedrich I. Barbarossa (+1190) veranlasste 350 Jahre später die Heiligsprechung Karls des
Großen. In diesem Zusammenhang wurden die Gebeine Karls in den im Jahre 1215 fertig gestellten Karlsschrein umgebettet.
Der Schrein steht heute im Zentrum des Chorpolygons der gotischen Chorhalle.
Otto I. bestimmte 936 Aachen als Ort seiner Krönung und eröffnete damit die 600jährige glanzvolle Geschichte der Aachener Krönungen. Der Königsthron geht auf die Zeit Karls des Großen zurück. Der
Thronsitz selber ist karolingisch; er ist aus kostbaren Marmorplatten zusammengefügt. Über 30 Könige besteigen in den folgenden 600 Jahren nach Wahl und Weihe diesen Thron. Im Jahre 1002 wird Kaiser
Otto III. auf seinen Wunsch hin in der Kirche Karls des Großen beigesetzt.
In gotischer Zeit gewinnt die Aachener Marienkirche eine zusätzliche Bedeutung als Wallfahrtsziel. Große Pilgerströme - vor allem aus Osteuropa - ziehen alle sieben Jahre (seit 1349) zur großen
Heiligtumsfahrt nach Aachen, denn nicht nur die Verehrung der Karlsreliquien zeichnet die Aachener Pfalzkapelle vor anderen europäischen Pilgerkirchen aus. Der reiche Schatz ihrer Reliquien, die sie
seit der Zeit Karls des Großen besitzt, macht sie zum herausragenden Ziel europäischer Pilgerfahrten, ranggleich denen nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela. Nach der Vollendung des
Karlsschreins (1215) geht man daran, den Marienschrein (1220-1239) zu schaffen. In diesem Schrein werden seither die Großen Aachener Reliquien aufbewahrt, in denen die Tradition die Windeln und das
Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers sieht.
Nächste Heiligtumsfahrt: 2014
Die Aachener Domschatzkammer birgt einen der bedeutendsten Kirchenschätze Europas, eine einzigartige Sammlung von Kostbarkeiten aus der Geschichte des Aachener Domes.
Die Domschatzkammer zeigt sakrale Kulturschätze aus spätantiker, karolingischer, ottonischer, staufischer und gotischer Zeit, die zum Teil zu den größten Kunstwerken ihrer Epoche gehören. Seine
herausragende Stellung verdankt der Domschatz vor allem der Tatsache, dass jahrhundertelang (936 - 1531) der heutige Aachener Dom die Krönungskirche der römisch - deutschen Könige war. So gehen
einige Exponate auf königliche Stifter zurück, andere zeigen die europäische Bedeutung der Marienkirche, des heutigen Aachener Domes, als Wallfahrtskirche und als Begräbnisstätte Karls des
Großen.
Im Jahre 1995 wurde die Aachener Domschatzkammer nach den neuesten konservatorischen und museumsdidaktischen Erkenntnissen neu eingerichtet. Einer der bedeutendsten Kirchenschätze Europas wird damit
in einem würdigen Domizil präsentiert, das dem unermesslichen Wert der Exponate ebenso gerecht wird wie dem enormen Besucherandrang (fast 250.000 pro Jahr). Die Schatzkammer zeigt nun auf über 600 qm
in verschiedenen Ebenen und Räumen mehr als 100 großartige Kunstwerke.
(Quelle: http://www.aachendom.de )




